Gestapo-Gefängnis “Katzenstadel”

geschrieben von Dr. Harald Munding

Das Amts- und Landgerichtsgefängnis am Katzenstadel wurde ab 1891 erbaut.
Hierzu wurde auch der Judenwall abgetragen. Nach der Machterübertragung an die Nationalsozialisten wurde hieraus das Gestapogefängnis. Bei einem Bombenangriff wurde das Gebäude 1944 zerstört.Gestapogefängnis_Haus

Nach dem Krieg wurde an dieser Stelle eine Verwaltungsgebäude errichtet, an der Blauen Kappe 18. Zunächst war dort die LVA untergebracht, jetzt ist es ein städtisches Verwaltungsgebäude (u. a. Ordnungsamt, Bürgerbüro Stadtmitte).

Im März 1933 wurden die ersten 68, in sogenannte “Schutzhaft genommene Personen” ins Gestapogefängnis gebracht. Zynisch berichtete die “Neue Nationalzeitung” (NNZ) unter der Überschrift “Roter Parteitag im Katzenstadel” von den Verhaftungen. Unter Ihnen Johann Aechter. Inhaftiert wurden zuerst Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, später Stadträte der Bayer. Volkspartei sowie christliche Gewerkschafter. Die zweite Verhaftungswelle fand am 22./23. März statt. Die Liste in der NNZ unter der Überschrift “Hochkonjunktur im Katzenstadel – Der Wallfahrtsort der Linken” umfasst 51 Personen. Am Ende der Liste: “Fortsetzung folgt”.

Neben den meist der KPD angehörenden Personen wurden auch Funktionäre der SPD wie Högg Clemens, Bürgermeister Ackermann Friedrich oder Rechtsanwalt Oberbrunner Stefan verhaftet.

Im Katzenstadel war Platz für etwa 500 Gefangene, es wurden Gefangene in andere Gefängnisse im Bezirk Schwaben, wie Aichach und Neudeck eingewiesen, um im Katzenstadel Platz für eine neue Verhaftungswelle zu schaffen.

Dazu ein Schreiben des Gefängnisdirektors aus Eichstätt:
„Wegen Überfüllung der Augsburger Gefängnisse mussten in den Monaten April und Mai (1933) 100 Schutzgefangene vorübergehend im Gerichtsgefängnis Eichstätt untergebracht werden“….Er stellt der Regierung von Schwaben nun eine Rechnung über 150 Reichsmark für die Leihgebühr für 100 Strohsäcke, Kopfpolster und Leintücher, 200 Wolldecken und Essbestecke.

1933 waren bereits 578 Augsburger in das neu errichtete KZ Dachau eingeliefert worden, die meisten über das Gefängnis am Katzenstadel.

Heute erinnert eine Gedenktafel an die Verhafteten Gegner des Naziregimes (An der Blauen Kappe 18)2012_Gedenktafel_Katzenstadel

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.vvn-augsburg.de/4-stadtrundgang/katzenstadel/index.htm