Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Kreisvereinigung Hof / Wunsiedel
Im Dezember 1938 bekam die Baufirma Gebrüder Peters vom gleichgeschalteten Hofer Stadtrat einen lukrativen Auftrag: Die in der Reichspogromnacht – in Hof am 10. November – weitgehend zerstörte Synagoge plattzumachen. Stattliche (damals) 400 Reichsmark kassierte die Firma. Dafür musste die jüdische Gemeinde aufkommen. Später wurde die entstandene Leerfläche, ein Schandfleck, überbaut. Fast 100 Jahre später ist der Ort zahlreicher Gedenkfeiern wieder zur Brache geworden. Nichts gegen die Pläne zugunsten der Feuerwehr. Aber es sei „nicht zu akzeptieren, dass dort zur Zeit überhaupt nichts an die historische Besonderheit dieses Ortes erinnert“, findet die Kreisvereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel bei einer Ortsbesichtigung. Aber ließe sich der Bauzaun aus Gitterelementen nicht problemlos als Informationsfläche nutzen? Also gingen die Hofer Antifaschistinnen und Antifaschisten schon mal mit gutem Beispiel voran.
Seit dem vergangenen Samstag macht gut sichtbar ein Banner im Baustellengitter-Format auf die Besonderheit dieser Baustelle aufmerksam. Mit der vergrößerten Abbildung der Gedenktafel aus dem Jahr 1983 ist ein Anfang gemacht. Kritisch merkt die VVN-BdA nebenbei an, dass ausgerechnet an dem geschichtsträchtigen Datum 10. November mit dem Abriss des baufälligen Theatergebäudes begonnen wurde. Nicht nur die Kreisvorsitzende Eva Petermann empfand diese Terminierung als „zumindest ausgesprochen gedankenlos“. Zu begrüßen sei jedoch „der allgemeine Konsens, am Hallplatz nach Abschluss der Bauarbeiten ein würdiger Erinnerungsort“ zu schaffen, sagte Petermann. Sie warnte allerdings davor, „ein solches Projekt übers Knie zu brechen“. Noch sei doch Zeit, zusammen mit dem Kulturamt und der ganzen Stadtgemeinschaft, inklusive der Schulen, Ideen zu entwickeln. „Und warum nicht auch auf die Kreativität lokaler Künstler und Künstlerinnen zurückgreifen?“, so jedenfalls der Vorschlag der VVN-BdA.
In der Zwischenzeit könnten weitere Banner über den historischen Ort informieren. Vorstellbar seien z.B. mit historische Bilder über die einstige Synagoge, die erst 1927 eingeweiht worden war. Fotos von dem verbrecherischen Treiben von SA und SS während des Pogroms gute 10 Jahre danach dürften bei einer solchen Outdoor-Dokumentation nicht fehlen. Angesichts von Rassismus und Antisemitismus in der heutigen Zeit im Zuge des Erstarkens ultrarechter und faschistischer Kräfte „müssen Geschichtsbewusstsein und die Mahnung des „Nie wieder!“ mehr denn je ins Stadtbild geholt werden“, fordert Eva Petermann.
Nicht zuletzt sei dies eine Gelegenheit, das Wirken des ersten Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde nach 1945, Wolf Weil, ins Bewusstsein zu rücken. Bekanntlich überlebte dieser den Holocaust mit Hilfe Oskar Schindlers. Seine Frau Alfreda, geb. Bachner, ebenfalls in Hof gestrandete Holocaust-Überlebende, starb fast hundertjährig am 24. Januar 2021. Nach Wolf Weil (gestorben 1988) wurde bekanntlich vor fünf Jahren eine Straße nahe dem jüdischen Friedhof benannt.
Der Kreisvorstand der VVN-BdA fordert zweierlei: Zum einen soll der Stadtrat für die vorgeschlagene Interimslösung Sorge tragen. Zum anderen möge das gewählte Gremium in einem späteren Beschluss, nicht zuletzt in Abstimmung mit der Israelitischen Kultusgemeinde, mit einem wissenschaftlich wie künstlerisch fundierten Konzept die Weichen stellen für einen würdigen Erinnerungsort. Die VVN-BdA bietet dabei gern ihre Unterstützung an.
Auf einem großflächigen Banner am Hallplatz fordert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel einen „würdigen Erinnerungsort“ an diesem geschichtsträchtigen Gelände. Auf dem Gelände der jetzigen Baustelle wurde vor 100 Jahren die einstige Synagoge eingeweiht. Am frühen Morgen des 10. November kam es hier zu Pogromen eines Mobs aus SA und SS. Seit längerem finden hier Gedenkveranstaltungen der Stadt Hof und der Israelitischen Kultusgemeinde statt.





























