Bewegende Gedenkveranstaltung in Helmbrechts
14. April 2026
Der 13. April 1945 war für 1170 Mädchen und Frauen, die bis dahin im Frauenkonzentrationslager Helmbrechts inhaftiert waren, der Tag, an dem sie zu einem grausamen Todesmarsch aufbrechen mussten. Für viele von ihnen bedeutete dieser Marsch das Todesurteil. Nur wenige konnten in Volary im heutigen Tschechien von amerikanischen Soldaten befreit werden. Viele überlebten auch die Befreiung nicht, sie starben an den Folgen des monatelangen Hungers; an Erschöpfung und den erlittenen Misshandlungen.
Seit vielen Jahren findet in Helmbrechts aus diesem Anlass ein Gedenken statt. Am vergangenen Montagabend kamen mehr als 80 Menschen zusammen, um an der bewegenden Gedenkveranstaltung teilzunehmen, mit der die Erinnerung an diese Frauen und ihr Schicksal aufrechterhalten wird.
Erster Bürgermeister Stefan Pöhlmann dankte für die große Resonanz und zitierte Hape Kerkeling aus dessen Buchenwalder Rede: „Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das „Nie wieder“ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist!“ Hartmut Hendrich, erster Vorsitzender des Vereins gegen das Vergessen e. V., erwähnte die Mitveranstalter VVN-BdA und die Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit. Er wies auf die Bedeutung des Erinnerns für die Demokratie hin. „Es darf aber nicht beim Erinnern bleiben“, meinte er. „wir müssen entschieden denen entgegentreten, die meinen, einfache Lösungen für komplexe Probleme zu haben.“ Francesca Hilgner verkörperte die Stimme der Jugend und meinte, dass es im Sinne der jungen Generation sei, wenn der Hintergrund unseres Grundgesetzes im Gedächtnis bliebe. Pfarrer Andreas Schmidt sprach ein eindringliches Gebet, ehe zwei Schülerinnen der Helmbrechtser Realschule, Katharina Knarr und Sofia Knoll ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer vortrugen. Dietrich Bonhoeffer ist am 9. April 1945 in Flossenbürg ermordet worden; vier Tage vor dem Beginn des Helmbrechtser Todesmarsches.
Das Gedenkkonzert in der Friedhofskapelle wurde von den Musikern Jens Bühring aus Plauen und Philipp Wiechert aus Leipzig gestaltet. Einfühlsam und eindringlich spielten und sangen sie Lieder und Gedichte, die in Konzentrationslagern gedichtet, komponiert und gesungen worden sind, sowie eigene Lieder aus der Werkstatt des Liedermachers Jens Bühring. Auch das Wiegenlied einer Mutter, das im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden ist, war dabei. Die Musik brachte dem Publikum die Stimmung der damals von dem Unrecht und dem Martyrium der Haft betroffenen Menschen nahe. Mit eindringlichen und klaren Worten wiederholte der Sänger den Auftrag der Erinnerung: „Nie wieder ist jetzt!“
Der Dank am Ende der Veranstaltung galt allen Rednern, den Musikern und dem Publikum; insbesondere aber auch dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Bildung, Familien, Frauen, Senioren und Jugend für die Förderung der Veranstaltung, die allen Teilnehmenden sicher noch lange in Kopf und Herz bleiben wird.


Fotograf: Randoph Oechslein







