Neonazi-Gewalt in Bayern geht weiter

13. Dezember 2011

Einige der Presse entnommene Meldungen der letzten Wochen zeigen in aller Deutlichkeit: Die Gewalt durch Neonazis in Bayern ist ungebremst.- In Deggendorf wurde ein 15-Jähriger Jugendlicher auf dem Christkindlmarkt von zwei Skinheads zusammengeschlagen- In Aschaffenburg wurde das SPD-Bürgerbüro Ziel eines Anschlags- In Losau verunglückte ein Sympathisant der Neonaziszene beim Hantieren mit Sprengstoffen tödlich- In Fürth wurde ein Brandanschlag auf das Auto eines Nazigegners verübt. In den letzten drei Jahren gab es vier derartige Anschläge.- In Weißenburg griff eine Gruppe von Neonazis das Jugendzentrum mit Feuerwerkskörpern an, nachdem dort eine Mahnwache für die Opfer der Neonazi-Mordserie stattgefunden hatte.

Die Reaktion der Behörden in den genannten Fällen zeigt, dass die Brisanz solcher Straftaten trotz der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ immer noch nicht gesehen wird:

– In Losau wurde in einer ersten Presseerklärung von Polizeipräsidium Oberfranken, Staatsanwaltschaft Bayreuth und Bayerischem Landeskriminalamt vor dem „nachlässigen Umgang mit pyrotechnischem Material“ gewarnt; erst nach Pressemeldungen wurde nachgeschoben, dass hier ein Neonazi mit explosivem Material hantiert hatte.

– In Fürth „wollen sich die Ermittler noch nicht auf einen rechtsradikalen Hintergrund festlegen“ (Nürnberger Nachrichten, 30.11.2011), in Weissenburg spricht die Pressemitteilung des Polizeipräsidiums von „bislang Unbekannten“ als Tätern, während sich die örtliche Neonazi-Kameradschaft des Vorfalls brüstet.

Die bayerische Staatsregierung hält indes hartnäckig an der absurden Gleichsetzung von „Links-“ und „Rechtsextremismus“ fest, sie betreibt nach wie vor die Internetseite „Bayern gegen Linksextremismus“ und fordert dort dazu auf, zivilgesellschaftliche Bündnisse gegen Neonazismus nicht zu unterstützen, wenn dort sog. „Linksextremisten“, wie die VVN-BdA, mitarbeiten. Dies bedeutet Spaltung und Schwächung der Bündnisse. Zivilgesellschaftliche Bündnisse sind aber unverzichtbar, wenn Neonazigewalt wirksam verhindert werden soll.

Josef-Felder-Preis für Gemeinwohl und Zivilcourage

11. Dezember 2011

Der Josef-Felder-Preis der BayernSPD wird an Bürgerinnen und Bürger vergeben, die, so § 1 der Satzung, „sich in hervorragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht haben und Zivilcourage bewiesen haben“.Die diesjährigen Preisträger sind das Bürgerforum Gräfenberg und die Antifschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V., A.i.D.A.

Zur Begründung der Preisverleihung an A.I.D.A. schreiben der Landesvorsitzende der BayernSPD, Florian Pronold, MdB und Generalsekretärin Natascha Kohnen, MdL:

„Wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement gegen alte und neue Nazis ist, zeigen gerade die aktuetten Ereignisse unrdie Aufdeckung der Zwicksauer Terrorzelle. Alleine fünf Morde der Zwickauer– Neo-Nazis wurden in Bayern verübt – in Nürnberg und München. Zahlreiche weitere Gewalttaten gehen auf das Konto der Nazis. Die Antonio-Amadeo-Stiftung geht von insgesamt 182 Toten seit 1990 aus. Hinzu kommt die tägliche Gewalt von Nazis gegen Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen.

Vor dieser Entwicklung wurden sehr oft die Augen verschlossen, man fixierte sich auf den ,,Linksextremismus“. Durch die Extremismus-Klausel von Bundesfamilienministerin Schröder werden lnitiativen, die sich gegen Rechts stellen, dem Generalverdacht ausgesetzt, nicht verfassungstreu zu handeln. Dabei sind sie es, die sich in beispielhafter Weise für Demokratie und Menschenrechte, gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzen.

Diese Entwicklung musste auch a.i.d.a erfahren: Seit 2OO8 wird a.i.d.a als ,,sonstige linksextremistische Organisation“ im bayerischen Verfassungsschutzbericht aufgeführt und steht unter Beobachtung, die Gemeinnützigkeit wurde aberkannt. Das lnnenministerium bleibt bei dieser Einschätzung, obwohl es inzwischen mehrere Niederlagen vor Gericht hinnehmen musste.

a.i.d.a. hat für die Arbeit aller bayerischen lnitiativen gegen Rechts große Bedeutung durch die fundierten Recherchen. Recherchen, die teilweise viel stärker als Berichte des Verfassungsschutzes Entwicklungen in der Naziszene deutlich machten. Sie berichteten beispielsweise früher als staatliche Stellen von lmmobilienkäufen der Nazis und haben damit geholfen, vor Ort die Öffentlichkeit zu informieren, die Zivilgesellschaft gegen Rechte zu mobilisieren.

Diese Arbeit muss fortgeführt werden. Und diese Arbeit ist es wert, dass die bayerische Sozialdemokratie a.i.d.a. mit dem Josef-Felder-Preis auszeichnet.“

Die Preisverleihung an A.I.D.A. findet am 12.12.2011 in München statt. Die Laudatio hält Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion.

NPD-Verbot: Jetzt aber richtig! – Neue Unterschriftensammlung der VVN-BdA

5. Dezember 2011

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)veranstaltet am Donnerstag, dem 8. Dezember, ab 10.00 Uhr, in Wiesbaden vor dem Tagungsgebäude der Innenministerkonferenz, dem Wiesbadener Kurhaus,am Kurhausplatz, Wilhelmstraße / Ecke Christian-Zais-Straße, eine Mahnwache,mit der die NS-Verfolgtenorganisation ein Verbotsverfahren gegen die NPD fordert und dies mit dem Ruf nach Abschaltung der als V-Leute tätigen Neonazis verbindet.Mit dieser Mahnwache beginnt die VVN-BdA eine neue bundesweite Unterschriftensammlung für das NPD-Verbot.

Die von NS-Opfern und Widerstandskämpfern gegründete Organisation, die sich als die stärkste Organisation von Antifaschisten in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet, fordert das Verbot der NPD schon seit mehreren Jahren. Sie hat dafür unter dem Logo „nonpd“ bundesweit bereits zwei Kampagnen durchgeführt. Bei der ersten Kampagne in 2007 wurde die Verbotsforderung von 175.000 Bürgerinnen und Bürgern mit ihrer Unterschrift unterstützt. Weitere 5.000 Bürgerinnen und Bürger gaben bei einer weiteren Sammelaktion der VVN-BdA persönliche Stellungnahmen und Begründungen für die Verbotsforderung ab.

In Anbetracht der jüngsten Entwicklung sieht die VVN-BdA mehr denn je Veranlassung, nunmehr endlich ein Verbotsverfahren durchzuführen. Ebenso nachdrücklich setzt sich die VVN-BdA für eine Abschaltung der als V-Leute tätigen und vom Verfassungsschutz bezahlten Neonazis ein.

Die V-Leute hätten weder Umtriebe noch Verbrechen verhindert, sie noch nicht einmal aufgedeckt. Stattdessen würden Gewalttaten auch von V-Leuten gefördert. Die Honorargelder des Verfassungsschutzes flössen in Neonaziaktivitäten. Schließlich habe die Existenz der V-Leute das erste Verbotsverfahren blockiert und so zur Bestandssicherung der NPD geführt.

Das alles gebiete die sofortige Beendigung des V-Leute-Unwesens. Es bedürfe keiner Informationen der V-Leute, die ohnehin nicht gerichtsverwertbar seien, um ein NPD-Verbot zu begründen. Dazu genügten die offenen Aktivitäten der NPD, deren Äußerungen und vor allem deren Förderung und Unterstützung von Gewalttaten.

Im Mörderlager Dachau

4. Dezember 2011

Vor 75 Jahren, am 01.12.1936 fiel Hans Beimler vor Madrid im Kampf gegen die spanischen Faschisten von General Franco.In einer gut besuchten Matinee zum 75. Todestag von Hans Beimler stellte die VVN-BdA München die Neuausgabe von Hans Beimlers erschütterndem Augenzeugenbericht aus dem KZ Dachau, „Im Mörderlager Dachau“ vor.

Der Münchner kommunistische Reichstagsabgeordnete Beimler war im April 1933 nach Dachau verschleppt worden. Nach Wochen der Folterungen gelang ihm in der Nacht vom 08. auf dem 09. Mai eine spektakuläre Flucht.

Im August erschien dann sein „Mörderlager Dachau“, das als erster Erfahrungsbericht aus einem KZ weltweit großes Aufsehen erregte und eine wichtige Quelle für die Verbrechen der Frühzeit des Hitler-Regimes darstellt. Aus diesem Grund fordert Ernst Grube, Überlebender des KZ Theresienstadt, dass das Buch im bayerischen Schulunterricht eingesetzt wird.

Die Neuauflage ist die erste seit 1933 und wurde von Friedbert Mühldorfer, Landessprecher der VVN-BdA Bayern mit einer biographischen Skizze Hans Beimlers versehen.

Das Buch ist erschienen im PapyRossa-Verlag Köln und ist für € 12,90 im Buchhandel erhältlich.

Gedenken an die Opfer der Neonazimordserie

2. Dezember 2011

Unter dem Motto „Gedenken an die Opfer der Neonazimordserie – Nazigewalt wirksam verhindern“ stand eine Kundgebung des überparteilichen Personenbündnisses „Freising ist bunt“. An der Mahnwache nahmen rund 70 Freisingerinnen und Freisinger, darunter mehrere Stadt- und Kreisräte verschiedener Parteien teil.

Der Landesgeschäftsführer der VVN-BdA Bayern, Dr. Guido Hoyer, führte in seiner Rede u. a. aus:

„Wir fragen uns: Wie konnte es möglich sein, dass Neonazis mitten unter uns jahrelang morden konnten, ohne dass auch nur ansatzweise ein Verdacht auf sie fiel. Massenmedien wie die BILD-Zeitung ordneten die Verbrechen mit dem Etikett „Döner-Morde“in die Schublade „Exotischer Grusel“ ein, die Ermittlungsbehörden ermittelten in Richtung eines kriminellen Hintergrundes der Opfer, einer Art türkischen Mafia. Das Naheliegende sah man nicht.

Ich sage bewusst das Naheliegende. Denn: So schrecklich diese Morde sind, es sind nicht die einzigen in Deutschland gewesen. Seit 1990 sind in unserem Land mindestens 182 Menschen von Neonazis umgebracht worden, nicht nur in den östlichen Bundesländern, auch in Bayern gab es neben den Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ acht weitere Mordopfer in Amberg, Bad Reichenhall, Kolbermoor, Memmingen und Plattling. Die meisten dieser Opfer werden von der Bundesregierung nicht als Opfer rechter Gewalt anerkannt. Man gibt zu, dass die Täter Neonazis waren, deshalb sei aber ein politischer Hintergrund nicht bewiesen. Seltsam nur, dass die Opfer – Ausländerinnen und Ausländer, Obdachlose (also im Nazi-Jargon „Asoziale“), alternative Jugendliche – in aller Regel zu den Personengruppen gehören, die zu den Feindbildern der Nazis gehören.

Mit dieser Verharmlosung rechter Gewalt muss endlich Schluss sein!

Der Verharmlosung dient meines Erachtens auch die Einzeltäter-Theorie, die schon fast reflexhaft als „erstes Ermittlungsergebnis“ der Öffentlichkeit präsentiert wird, um sich dann oft als unhaltbar zu erweisen. So auch jetzt: War am Anfang von Einzeltätern die Rede, in den Massenmedien vom „durchgeknallten Mörder-Trio“ oder ähnlich, stellt sich jetzt, wo noch lange nicht alles aufgeklärt ist, heraus, die Mörder sind Teil eines Netzwerkes, hatten Helfer und Unterstützer auch in der NPD. Der langjährige NPD-Funktionär Ralph Wohlleben war einer von ihnen. Nazigewalt wirksam verhindern- das heißt zuerst einmal, dass die Verbindungen der Mörder vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ zur NPD und allen Neonazi-Organisationen, auch des Aktionsbundes Freising, dessen Mitglieder z. T. aus Thüringen stammen und die bundesweit bei Naziaktionen auftreten, restlos durchleuchtet werden.

Lassen Sie mich einen Blick zurück werfen in das Jahr 1980. Ein Einzeltäter soll ja Gundolf Köhler gewesen sein, der mit seiner Bombe auf dem Münchner Oktoberfest 13 Menschen tötete. Die SPD und die Grünen im Landtag halten „die sogenannte Einzeltätertheorie, wonach das Attentat von … Köhler alleine geplant und ausgeführt worden ist, angesichts dessen Nähe zu neonazistischen Kreisen und vieler Indizien für nicht glaubhaft. Vielmehr gebe es nicht nur Hinweise, sondern deutliche Spuren, dass das Attentat von Rechtsextremisten geplant und vorbereitet worden ist.“ SPD und Grüne fordern die Wiederaufnahme der Ermittlungen zum Oktoberfest-Anschlag. Wir unterstützen diese Forderung nachdrücklich.

Mir kam der Amoklauf von Adam Labus wieder in den Sinn. Vor neun Jahren -2002- hatte er in Eching und Freising vier Menschen getötet. Ein psychisch kranker Jugendlicher rächte sich an Vorgesetzten und Lehrern, so wurde die Bluttat erklärt. Ich bestreite dies nicht. Trotzdem ist die Frage erlaubt, hatte Adam Labus gar nichts nicht der Naziszene zu tun? War nicht damals im SPIEGEL zu lesen, dass er schon mal einen Brief mit „Heil Hitler“ unterschrieb und meldete nicht eine Zeitung, dass auch personelle Kontakte zu Neonazis bekannt waren? Labus war mit zwei Armeepistolen, Handgranaten und Rohrbomben schwer bewaffnet. Ein „Waffennarr“ hieß es. Bis heute ist nicht ermittelt worden, woher dieses Waffenarsenal stammte.

Ein aktuelles Beispiel aus Oberfranken. Ende Oktober kam in Losau ein Mann beim Hantieren mit Sprengstoffen ums Leben. Polizeipräsidium Oberfranken, Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Bayerische Landeskriminalamt kommentierten dies wie folgt: „Dieser Fall verdeutlicht erneut, welche Auswirkungen ein nachlässiger Umgang mit pyrotechnischen Gegenständen haben kann. Polizei und Staatsanwaltschaft warnen deshalb ausdrücklich vor den Gefahren beim Hantieren mit derartigen Gegenständen.“ So wurde die Öffentlichkeit informiert. Danach tauchte in Pressemeldungen auf, dass es sich bei dem Mann um einen Neonazi gehandelt hatte. Die Behörden sprachen nun in einer „Ergänzung“ zu ihrer Presserklärung von „einem nicht organisierten Sympathisanten der regionalen rechten Szene“ Aber man könne, so ein Polizeisprecher, „noch lange nicht von einem rechtsextremistischen Hintergrund reden.“ Nicht von den Behörden, aber von der Presse wurde mitgeteilt, dass man bereits drei Tage vor dem tödlichen Unfall bei dem Mann pyrotechnisches Material beschlagnahmt habe. Er wäre demnach der Polizei kein Unbekannter gewesen und hätte sich in drei Tagen bereits wieder Sprengstoff besorgt. Dies allerdings nicht überraschend, arbeitete er doch in einer Firma, die Waffen und Munition verkauft.

… Es ist ein Skandal, dass Organisationen, die unermüdlich von den Nazigefahren warnen und aufklären, A.I.D.A und VVN-BdA, sich vor Gericht dagegen wehren müssen, als angebliche „Extremisten“ mit Nazis in einen Topf geschmissen zu werden. Was für eine Dreistigkeit, der VVN im Verfassungsschutzbericht 2009 vorzuwerfen – ich zitiere wörtlich: „Öffentliche Zeitzeugenauftritte von früheren KZ-Häftlingen sollen der Organisation … einen demokratischen Anstrich verleihen.“ Gemeint damit sind z.B. Ernst und Werner Grube, Überlebende des KZ Theresienstadt, Martin Löwenberg, der aus dem KZ Flossenbürg befreit wurde und Hugo Höllenreiner, der die KZs Auschwitz-Birkenau und Mauthausen überlebte. Solche Menschen sind kein „demokratischer Anstrich“, sondern das demokratische Fundament unserer Gesellschaft.

… Nazigewalt wirksam verhindern heißt den braunen Sumpf austrocknen. Es gibt keinen friedlichen Faschismus, eine Ideologie, die Menschen in lebenswert oder lebensunwert einteilt, die Völkermord und die Vernichtung der politischen Gegner praktizierte ist Gewalt. Deswegen gilt weiterhin der Satz: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Der „Aktionsbund Freising“ hat den Pressebericht über die letzte „Freising-ist-Bunt“-Veranstaltung auf seiner Homepage mit stilisierten Blutspritzern versehen. Wie soll man das anders deuten, als eine Drohung? Der NPD-Funktionär Jens Pühse begann seine Neonazi-Karriere in Freising, war beteiligt an nächtlichem Telephon-Terror, wurde verurteilt wegen illegalem Waffenbesitz. Udo Voigt zeichnete als NPD-Spitzenkandidat in Berlin verantwortlich für ein Kreuzwort-Rätsel mit dem Lösungswort „Adolf“ und für deren Wahlkampf-Slogan „Wir geben Gas.“

… Wer glaubt, die NPD sei eine ganz normale Partei, ein Mitbewerber um die Wählergunst wie andere Parteien auch, der sei daran erinnert, was Joseph Goebbels 1928 ausführte: „Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. … Wenn die Demokratie so dumm ist, uns dafür Freikarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir kommen als Feinde. Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir.“ Deshalb gibt es keine Alternative zum Verbot der NPD und zur Auflösung aller Nazi-Organisationen. Aus den Köpfen ist die Nazi-Ideologie damit natürlich noch nicht verschwunden, aber es kann nicht sein, dass die Todfeinde der Demokratie aus Steuergeldern auch noch finanziert werden. NPD-Verbot jetzt!

Ich schließe mit den Worten des 2006 verstorbenen Widerstandskämpfers Peter Gingold: „Zuviel an Not und Tod, an KZ-Qualen, an Verwüstung und Vernichtung, an millionenfachen Mord hat der Faschismus gebracht, sodass es nichts Wichtigeres geben kann, als Aufstehen gegen jede Erscheinung von Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Neofaschismus, Militarismus.““

Zeitzeugengespräche in Augsburg

29. November 2011

Im Gedenken an den Holocaust-Überlebenden und Augsburger Ehrenbürger Mietek Pemper (24.3.1920-7.6.2011) lädt das Bündnis für Menschenwürde Augsburg-Schwaben e.V. mit Unterstützung der VVN-BdA Augsburg zu Zeitzeugengesprächen mit den KZ-Überlebenden Ernst Grube und Hugo Höllenreiner ein.

Die Veranstaltungen finden am 7.12. und 8.12. im Evangelischen Forum Annahof statt.

Details können Sie dem Flyer zum Download entnehmen bzw. finden Sie in der Rubrik „Termine“

20111130_1_zeitzeugengespraeche-1.pdf (81 KB)

Kundgebung am Nürnberger Hallplatz

24. November 2011

Trotz kurzfristiger Einladung waren ca. 150-200 Menschen zur Kundgebung, zu der die Nürnberger VVN-BdA, die JUSOS und andere Organisationen eingeladen hatten, gekommen. Die Teilnehmer gedachten mit Kerzen und einer Schweigeminute der Opfer der Neonazi-Mordserie. Neben Georg Neubauer von der VVN-BdA Nürnberg sprachen Nasser Ahmed, Vorsitzender der JUSOS Nürnberg, Gewerkschaftssekretär Frank Bess von ver.di und Michael Ziegler vom SPD-Arbeitskreis gegen rechts.Die Nürnberger VVN-BdA trat mit einer Erklärung zu der Neonazi-Mordserie an die Öffentlichkeit.

Hier die Erklärung der VVN-BdA Nürnberg im Wortlaut:

„Jahrelang zog eine Bande von Rechtsradikalen durchs Land, verübte Anschläge und mordete aus rassistischen Gründen. Und vieles weißt darauf hin, dass die dahinter stehende Nazi-Organisation »Thüringer Heimatschutz« von „Verfassungs-schützern“ nicht nur hofiert, sondern auch finanziell ausgehalten wurde.

Unabhängig davon, ob sich alle Informationen bestätigen werden, steht inzwischen fest:

Die Überwachung und Kontrolle von Rechtsradikalen und Neonazis – mit oder ohne NPD-Parteibuch -durch Gewährsleute des Verfassungsschutzes hat sich einmal mehr als wirkungslos erwiesen.

Während Vertreter staatlicher Sicherheitsbehörden wie der bayerische Innenminister J. Herrmann die „Gefahr eines wachsenden Linksextremismus“ und sogar eines „Linksterrorismus“ beschworen, konnten Neonazis jahrelang unentdeckt morden.

Antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Protest gegen Naziaufmärsche wurde kriminalisiert und führte z.B. bei der Protestaktion in Dresden sogar zu einer Massenüberwachung von Handydaten, zu Repressionen und massiven Einschüchterungs-versuchen bei den Gegnern des Naziaufmarsches.

Die Morde und die Übergriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild von Neonazis und Rassisten passen, verlangen nach unserer Auffassung ein Umdenken in der Auseinandersetzung mit der Neonaziszene.

Die absurde realitätsfremde Gleichsetzung von „Links- und Rechtsextremismus“ gehört ebenso auf den Prüfstand wie die von der Bundesregierung (geschönte) Statistik über Opfer rassistischer und neonazistischer Übergriffe. Sie steht in keinem Verhältnis zu Erhebungen von Opferberatungsstellen und Medien. Die VVN-BdA fordert deshalb die Bundesregierung und verantwortliche staatliche Behörden zu einer Kurskorrektur auf.

Insbesondere fordern wir den Bayerischen Innenminister auf, die Diffamierung derjenigen Personen und Organisationen zu beenden, die hervorragende Arbeit bei der Enthüllung und Bekämpfung der Nazis in Bayern leisten wie z.B. die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle A.i.d.a. und die VVN-BdA.

Ebenso muss Schluss gemacht werden mit der Kriminalisierung von demokratischem Engagement durch die „Extremismusklausel“. Stattdessen müssen Projekte gegen Rechts wieder verstärkt gefördert werden.

Die haben es gerade nötig, kann man im nach hinein nur feststellen. Ist doch sichtbar, dass der Sumpf, d.h. die Verquickung zwischen Nazis und der Behörde die sich „Verfassungsschutz“ nennt, immer größer wird. Fragt man die Verantwortlichen, so hat keiner hat was gewusst!

Die wirkliche Gefahr für eine Demokratie und für Menschenleben geht nach wie vor von der menschenverachtenden Ideologie der Neonazis und Rassisten aus. Zur Durchsetzung ihrer rassistischen Auffassung scheuen sie nicht vor schlimmsten kriminellen Verbrechen zurück.

Wir fordern angesichts der neuen Informationen über die von einer Neonazi- Gruppierung verübten Morde und Anschläge eine Beendigung des „V-Leute“ – Unwesens in der NPD und ihren Unterorganisationen sowie einen ernsthaften neuen Anlauf zu einem NPD-Verbot.

Es ist längst überfällig, dass der braune Sumpf trocken gelegt wird. Das sogenannte „Freie Netzwerk Süd“ bei uns in Bayern – vergleichbar dem neofaschistischen »Thüringer Heimatschutz« – kann und muss vom bayerischen Innenministerium sofort verboten werden. Denn die Mordserie beweist:

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“

Neofaschismus endlich konsequent bekämpfen

19. November 2011

Das friedliche Zusammenleben in unserem Land, Demokratie, Solidarität, unser Leben und unsere Zukunft werden von Neonazis und Neofaschismus bedroht.Die Mordserie der neofaschistischen Terrorgruppe, die sich “Nationalsozialistischer Untergrund“ nennt, belegt auf dramatische Weise: Neofaschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Trotz der ungeheuerlichen Dimension und Brutalität dieser Morde sind sie kein Einzelfall. Wir erinnern an das Oktoberfest-Attentat in München und die Brandanschläge, Pogrome und Mordtaten in den 90er Jahren u.a. in Solingen, Mölln, Lichtenhagen und Hoyerswerda. Eine Liste von Todesopfern rechter Gewalt in Deutschland seit 1990 nennt die erschreckende Zahl von 182 Toten.

Das Ausmaß der neonazistischen Gewalt zeigt, dass die totale Missachtung menschlichen Lebens – Gewalt bis zum Mord – immanenter Bestandteil des Denkens und Handelns im Neonazismus ist. Es ist die faschistische Ideologie, die diese Gewalt hervorbringt und fördert. Diese Erfahrung haben wir bereits in der NS-Zeit machen müssen.

Dennoch orientieren Blick und Weltbild der herrschenden Politik, in Staat und den tonangebenden Medien vorrangig auf angebliche “Gefahren von links“ und Gefahren durch “Fremdes“ und “Ausländisches“: Internationaler Terrorismus, Islamismus und “Linksextremismus“ (neuerdings noch gesteigert zum “Linksterrorismus“) beherrschen das Denken und Handeln der staatlichen Kräfte. Für einen konsequenten Kampf gegen rechts bleibt da kein Platz.

Rechte Gewalt und rechter Terror werden bagatellisiert, entpolitisiert, wenn nicht sogar geleugnet. Geburtshelfer mit NS-Vergangenheit bei der Inbetriebnahme der bundesdeutschen Geheimdienste haben da möglicherweise ihre Nachwirkung.

Politik und Staat sind auf dem rechten Auge blind. Als feststand, dass die sogenannten “Döner-Morde“ sich ausschließlich gegen Menschen ausländischer Herkunft richteten, wurde dennoch an alles Mögliche gedacht, nur nicht an Neonazis und deren Ausländerhass. Vielmehr wurden sogar die Opfer posthum krimineller Verbindungen verdächtigt.

Das gegen links gerichtete Weltbild verhindert konsequentes Vorgehen gegen Neonazis und Neofaschismus. Mehr noch: Politik, Justiz und Polizei sind folgerichtig primär gegen Nazigegner aktiv. Das zeigt das Beispiel Dresden, ist aber nicht auf Dresden beschränkt.

Die bislang praktizierte Zurückhaltung und Untätigkeit gegen Neonazis – überdeutlich geworden am Beispiel der jahrelang unbehindert morden könnenden Neonazigruppe – leistet dem Neofaschismus Vorschub.

Die vorzeitig eingestellten bzw. unterlassenen Ermittlungen und die Versäumnisse im Vorgehen gegen die bereits erkannten Neonazis der späteren Mörderbande verhinderten in der Konsequenz eine Strafverfolgung.

Deutlich wird die daraus resultierende Hilfestellung für Neonazis auch am System der V-Leute. Das sind vom Verfassungsschutz besoldete Neonazis. Der VS finanziert damit neofaschistische Gruppierungen, Organisationen und auch die NPD.

Wie die nunmehr bekannt gewordenen Vorgänge rund um die Verbrechen der Mördergruppe zeigen, haben als V-Leute bezahlte Neonazis – auch im Umkreis dieser Mörderbande – kein Verbrechen verhindert, nicht einmal aufgedeckt, sondern eher noch die Verbrecher geschützt und unterstützt.

Der Einsatz der V-Leute hat bereits das erste Verbotsverfahren gegen die NPD torpediert und damit die NPD vor dem Verbot gerettet. Das alles verlangt, das V-Leute-Unwesen endgültig zu beenden. V-Leute nützen den Neonazis.

Als größte antifaschistische Organisation Deutschlands, die von Naziopfern, ehemals Verfolgten und Widerstandskämpfer/innen gegründet wurde, fordern wir:

Die Gefahr des Neofaschismus muss endlich ernst genommen und entsprechend bekämpft werden.

Antifaschismus darf nicht länger diskriminiert werden. Dieses Land braucht ein klares Bekenntnis zum Antifaschismus.

Erforderlich sind:

Durchsetzung des im Grundgesetz und in den Strafgesetzen verankerten Faschismusverbots;

konsequentes Vorgehen gegen Neonazis und Neofaschismus. Unterbindung und Verbot neofaschistischer Umtriebe, Organisationen und Gruppierungen;

das Verbot der NPD, die Knotenpunkt, organisatorische Plattform, Ideologiegeber und Reservoir für neonazistische Gewalttäter ist – und zu der auch die Mörderbande Verbindung gehalten hat;

umfassende Aufklärung über das dubiose Verhalten von Justiz, Polizei und Verfassungsschutz bei neonazistischen Gewalttaten und gegenüber den Tätern;

Abschaffung des V-Leute-Unwesens – auch um damit den Weg zum Verbotsverfahren gegen die NPD freizmachen.

Die den Neonazismus fördernde Gleichsetzung von “Links- und Rechtsextremismus“ ist zu beenden.

Projekte gegen rechts dürfen nicht länger eingeschränkt oder behindert werden, sie müssen ohne Einschränkung gefördert werden. Die “Extremismusklausel“ ist zu streichen.

Antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Protest und Widerstand gegen Umtriebe und Aufmärsche von Neonazis dürfen nicht länger behindert und kriminalisiert werden. Sie sind ein aktiver Beitrag zur Verteidigung der Demokratie.

Wir wenden uns gegen alle Versuche, die Mordtaten der Neonazis, die wegen staatlicher Untätigkeit jahrelang fortgesetzt werden konnten, nunmehr zum Vorwand zu nehmen, erneut eine Einschränkung demokratischer Grundrechte und Freiheiten durchzusetzen und den allgemeinen Überwachungsapparat, alle Bürgerinnen und Bürger betreffend, auszubauen.

Die VVN-BdA wird ihre Aktivitäten im Rahmen der „nonpd“-Kampagne verstärken.

Rechtsterrorismus

13. November 2011

Eine „neue Dimension rechtsextremer Gewalt in unserem Land“ sieht der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, nachdem klar geworden ist, dass mindestens zehn ungeklärte Morde der letzten Jahre auf das Konto einer neofaschistischen Terrorgruppe gehen, die sich „Nationalsozialistischer Untergrund“ nennt.

Die Presse ist voll von Fragen nach den Versäumnissen und nach manchen sehr befremdlichen Machenschaften von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz in Thüringen und Sachsen. Nur dort?

Fünf der zehn Morde haben in Bayern stattgefunden: drei in Nürnberg, zwei in München. Die Ermittler sind der Möglichkeit eines neofaschistischen Hintergrundes nicht konsequent nachgegangen. So wie sich die Behörden in Bayern seit Jahren beharrlich weigern, Hinweisen nachzugehen, dass es sich bei dem verheerenden Anschlag auf das Oktoberfest am 26.9.1980 nicht um die Tat eines verwirrten Einzeltäters, sondern um ein Verbrechen neofaschistischer Terroristen gehandelt hat.

Während Neonazis jahrelang unentdeckt mordeten, widmen sich bayerisches Innenministerium und bayerischer Verfassungsschutz der Diffamierung antifaschistischer Organisationen wie a.i.d.a. (Antifaschistisches Informations- und Dokumentationsarchiv München) oder der VVN-BdA, der größten Organisation ehem. NS-Verfolgter und ihrer Angehöriger in der Bundesrepublik als „linksextremistisch beeinflusst“ und behindern sie in ihrer Arbeit. Innenminister Hermann wird mit folgenden Worten zitiert: „Das bedeutet, dass wir generell den gesamten extremistischen Bereich immer mit großer Konsequenz beobachten und gegebenen-falls auch überwachen müssen.“ (SZ, 14.11.2011) Den „gesamten extremistischen Bereich“? Was muss denn noch geschehen, dass die Staatsregierung die absurde Gleichsetzung von „Linksextremismus“ und Neonazi-Terror endlich fallen lässt?

Die VVN-BdA Bayern fordert jetzt Konsequenzen: Vollständige Aufdeckung der Tätigkeit von Ermittlern und Verfassungsschutz nicht nur in Thüringen und Sachsen, sondern auch in Bayern. Schluss mit der Diffamierung der politischen Aufklärung über Faschismus und Neofaschismus durch Nennung von antifaschistischen Organisationen im Verfassungsschutzbericht.

Vier Bischofssitze und ein Grenzübergang – Tagebuch einer Lesereise durch Bayern

geschrieben von Dr. Ulrich Schneider, Bundessprecher der VVN-BdA

31. Oktober 2011

Ein Buch stand im Mittelpunkt einer Rundreise durch Bayern. Wir, Silvia Gingold und Ulrich Schneider, machten uns in der dritten Oktober-Woche auf Lesereise, um in fünf Städten die autobiographischen Aufzeichnungen von Peter Gingold „Paris – Boulevard St. Martin No. 11“ vorzustellen. Eingeladen durch Kreisorganisationen der VVN-BdA führte uns die Rundreise von Bamberg, über Hof, Regensburg und Freising nach Würzburg.

Die Anreise begann stilvoll per ICE und Regionalexpress. Wie üblich machte es die Deutsche Bahn wieder etwas spannend, als der Zug von Kassel in Würzburg mit 8 Minuten Verspätung eintraf – der Anschlusszug jedoch eigentlich nur 10 Minuten Übergang hatte. Mit einem kurzen Spurt gelang es, den Regionalexpress zu erreichen, der dann jedoch noch 10 Minuten wartete, was uns nicht wirklich störte.

Während der Zugfahrt besprachen Silvia und ich noch einmal die zu lesenden Texte. Dabei stehen wir immer vor der Unwägbarkeit, wie denn unser Publikum sein wird. Sind es eher jüngere Menschen oder Ältere? Welchen Bezug hatten sie zu Peter Gingold? Was erwarten die Zuschauer? Leider konnten uns auch die jeweiligen Veranstalter im Vorfeld dazu wenig konkrete Aussagen machen.

Also entscheiden wir uns dafür, ein Konzept zu wählen, das wir bereits erfolgreich in früheren Lesungen erprobt hatten. Wir lesen in der Regel eine knappe Stunde und geben anschließend die Gelegenheit zum Gespräch, wobei die Rückmeldungen zum zweiten Teil recht unterschiedlich sind. Mal schließt sich ein intensives Gespräch an, das aber nicht beim Thema Peter Gingold stehen bleibt, sondern oftmals auf verschiedene Bereiche des antifaschistischen Handelns Bezug nimmt, oder es stehen Erinnerungen an Veranstaltungen mit Peter in den jeweiligen Städten im Mittelpunkt, mal gibt es ein oder zwei kurze Rückfragen im Plenum und damit ist der öffentliche Teil der Veranstaltung beendet. Dann erst kommen Teilnehmer auf uns zu und berichten von persönlichen Begegnungen mit Peter oder erfragen Details zum Buch, so dass wir auch dort meist nicht unter zwei Stunden fertig sind.

Die Lesung in Bamberg

Als wir in Bamberg eintrafen wurden, wir mit der Realität des Neofaschismus konfrontiert. Zwei junge Männer in Outfit und Auftreten als Neonazis erkennbar, fuhren ebenfalls mit dem Zug bis Bamberg. Jedoch wechselten sie beim Ausstieg in die gegenüberstehende Regionalbahn nach Sonneberg (Thüringen). Wir wurden dagegen von Stefan empfangen, ein ehemaliger Gärtner, der aktiv in der VVN-BdA ist und sich sehr für Heimatgeschichte aus antifaschistischer Perspektive interessiert. Immer wieder gab er uns im Gespräch auf dem Weg zu unserem Hotel und durch die Straßen kleine Kostproben seines historischen Wissens. Mit ihm verabredeten wir am kommenden Vormittag einen ausführlichen Stadtrundgang.

Bamberg selber stellte sich als pulsierende Mittelpunktstadt dar. Bei unserer Ankunft war gerade die Schule aus, sodass die Busse in die Innenstadt völlig überfüllt waren. Im Stadtzentrum sah man ebenfalls zahllose junge Leute, die zum Semesterstart in Bamberg eingetroffen waren. Und wenn das nicht schon genug wäre, stolperte man in der gesamten Altstadt über Massen von Touristengruppen, die das „Weltkulturerbe“ unter angeleiteter Führung besichtigen wollten. So hörte man bei den Stadtführern englisch, russisch, französisch, manchmal deutsch, selten fränkisch – oder wie man es hier sagt „A weng“.

Zum Glück lag unser Quartier direkt in der Innenstadt und es war möglich, fußläufig alle interessanten Orte zu erreichen. Da wir abends schon wieder lange sitzen würden und die Zugfahrt einige Zeit gedauert hat, war ich froh, in eigener Regie durch die Stadt ziehen zu können. Silvia hatte sich mit ihrem Sohn verabredet, so dass wir kein „offizielles“ Programm hatten. Beim Rundgang bestätigte sich der Eindruck, dass Bamberg nicht nur ein Oberzentrum ist, sondern auch eine recht junge Stadt. Wahrscheinlich geht dies jedoch zu Lasten der Umlandgemeinden, wie in vielen Regionen.

Vereinzelt sah man in der Stadt auch Zeichen politischer Aktivität. So hatten offensichtlich einige Aktivisten das Symbol der „Occupy Wall Street“ – Bewegung aus dem Internet geholt und auf A4-Zettel kopiert, die an verschiedenen Stellen der Stadt, insbesondere in Universitätsnähe klebten. Ob es jedoch am Samstag in Bamberg selber Aktionen gegeben hat konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Um 18.00 Uhr verabredeten wir uns mit Günter, dem örtlichen Veranstalter, in der Lokalität, in der die Lesung stattfinden sollte. Es war der Nebenraum einer Kneipe direkt in der Innenstadt, also gut zu erreichen. Dennoch hatte Günter Sorgen, dass nur wenige Besucher kommen würden. Man debattiere in der VVN-BdA im Moment einige politische Fragen, die für manche viel „spannender“ seien, als ein solche Lesung. Schade eigentlich, denn das, was Peter Gingold in seinen autobiographischen Aufzeichnungen zu sagen hat, wäre sicherlich auch eine Hilfestellung für die Klärung offener Fragen innerhalb der Organisation.

So richteten wir uns auf eine kleine Veranstaltung ein und waren dann zufrieden, als sechzehn Zuhörer an diesem Abend kamen, wobei die Hälfte nicht Mitglieder der VVN-BdA waren. Wir lasen die vorbereiteten Texte und erlebten einmal mehr, wie es uns mit dem Programm gelang, die Zuhörenden von Anfang an in unseren Bann zu ziehen. Durch einige Überleitungen und zusätzliche Erläuterungen dauerte die Lesung selber gut eine Stunde, aber keiner der Gäste zeigte Anzeichen von Unruhe oder Ermüdung. Dies wurde auch nach der Lesung deutlich, als sich dann eine lebendige Debatte entwickelte, die nicht nur um das Buch, sondern insbesondere um die Fragen antifaschistischer Arbeit heute kreiste. Zum Abschluss wurde erkennbar, welch guten Eindruck der Abend bei den Teilnehmenden hinterlassen hatte, als wir trotz der geringen Teilnehmerzahl dennoch einige Bücher und Broschüren verkaufen konnten.

Obwohl wir noch eine „Nachbereitung“ der Lesung in einer Weinkneipe gemacht hatten, waren Stefan, Silvia und ich diszipliniert genug, um am nächsten Morgen gegen 9.00 Uhr zu einer antifaschistischen Stadtführung zu starten. Spannend war es zu erleben, wie die zahllosen prominenten Persönlichkeiten Bamberger Geschichte wie Friedrich Hegel, E.T.A. Hoffmann, Bodo Uhde, Wallenstein sich mit den gesellschaftlichen Kämpfen und der Auseinandersetzung mit der fürst-bischöflichen Macht verbinden lassen. Wir lernten die Gedenkstätte für die zerstörte jüdische Synagoge ebenso kennen, wie die bildlichen Darstellungen des kirchlichen Antisemitismus an dem Fürstenportal des Doms von Bamberg. Natürlich sahen wir auch die Gedenktafel für die Opfer des Faschismus und die Widerstandskämpfer, die nach massiven Auseinandersetzungen mit der Stadt doch an prominenter Stelle am „Alten Rathaus“ angebracht worden war. Genauso erzählte unser Stadtführer, mit welchen politischen Auseinandersetzungen es gelang, ein wunderschönes Fachwerkhaus einige Jahre zuvor vor einem Abriss zu retten. Den Abschluss bildete eine Brotzeit im „Schlenkerle“, einem Lokal in der Altstadt, das zwar durchaus touristisch ist, jedoch so urig war, dass auch Einheimische sich dort noch wohl fühlen konnten.

Die Lesung in Hof

Nun ging es durch die „oberfränkische“ Landschaft nach Hof. Mehrere Zeugnisse der Barock – Architektur waren auf dem Weg zu entdecken, ein Zeichen nicht nur für den ästhetischen Geschmack der Zeit, sondern auch für das massive Wirken der Gegenreformation, die mit der Barockästhetik die Schlichtheit des Protestantismus verdrängen wollte. Wir fuhren mit einem Regionalexpress, der durch „sehr viel Landschaft“ fuhr und an Haltepunkten zum Stehen kam, die uns – freundlich gesprochen – sehr fremd vorkamen. Mainleus, Marktschorgast oder Oberkotzau waren Stationen, bevor wir endlich den Bahnhof Hof errichten. Nun hat uns zum Glück die Zivilisation wieder, dachte ich spontan. Ich kannte Hof früher nur als Grenzübergangsstelle zur DDR.

Am Bahnhof wurden wir von der Kreisvorsitzenden der VVN-BdA in Empfang genommen. Sie brachte uns in einer kleinen Stadt etwa 12 Kilometer von Hof entfernt, in Schwarzenbach an der Saale, unter. Auf den ersten Blick hatte man den Eindruck einer beliebigen Kleinstadt, beim zweiten Hinsehen offenbarte dieser Ort aber interessante „Schätze“. Der erste Höhepunkt war die Mahn- und Gedenkstätte „Langer Gang“, eine Einrichtung, die man in einem solch kleinen Ort niemals erwartet hätte. In einem Garten hinter dem evangelischen Gemeindehaus bezogen im April 1945 Frauen des Arbeitslagers Helmbrechts auf ihrem Todesmarsch nach Volary ihr erstes Quartier, wobei die Bedingungen der Unterbringung eigentlich den Begriff verbieten. Zur Erinnerung an diesen Todesmarsch und an alle Verfolgte des faschistischen Regimes hat eine örtliche Geschichtsinitiative in einem kleinen Raum eine beeindruckende Gedenkstätte errichtet, in der Sachinformationen und künstlerische Installationen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglichen.

Unsere Betreuerin berichtete, dass die Vereinsmitglieder seit mehreren Jahren eine regelmäßige Öffnung dieser Gedenkstätte realisieren und es sehr spannend sei, dass immer wieder Besucher aus der Umgebung kommen, die einen Besuch dieses Ortes damit verbinden, über ihre eigenen Erfahrungen und Kindheitserlebnisse zu berichten, was sie über die Todesmärsche oder den Einsatz von Zwangsarbeitern mitbekommen hätten.

Auch der weitere Rundgang durch den Ort war eindrucksvoll, erfuhren wir doch, dass in diesem Ort lange Jahre Frau Dr. Erika Fuchs gearbeitet hatte – die Übersetzerin der Donald Duck – Comics. Gegenwärtig richtet die Gemeinde ihr einen Museumsort ein. Der Weg zu unserem Quartier führte über den Jean-Paul-Weg zu der Stelle, an der er „seinen ersten Kuss“ bekommen hat, was er selber literarisch verarbeitet hatte. Zugleich sahen wir die Ergebnisse eines Kunstprojekts, bei dem überdimensionale Fische von verschiedenen Künstlern aus der Region und den europäischen Partnerregionen künstlerisch gestaltet waren. Man sah diese Werke an der Saale, auf öffentlichen Plätze und in einer kleinen Parkanlage in der Flussaue. Es war durchaus beeindruckend, welch kulturellen Impulse eine kleine Stadt mit weniger als 10.000 Einwohnern auf den Weg bringt, wenn das gesellschaftliche Netzwerk vorhanden ist.

Man nächsten Morgen erfuhren wir aber auch, dass dieser Ort recht große Probleme hat, da mehrere ehemals ansässige Industriebetriebe geschlossen oder deutlich Arbeitskräfte abgebaut hatten. Aber im Bewusstsein vieler Schwarzenbacher hat dieser Ort eine Arbeitertradition. Das sichtbarstes Zeichen ist die jährliche 1. Mai Demonstration und Kundgebung in dem Ort. Während selbst in Hof mittlerweile nur noch eine Kundgebung stattfindet, demonstrieren hier – je nach Wetter – 100 bis 150 Menschen beim jährlichen 1. Mai Aufmarsch mit.

Die abendliche Lesung in Hof fand im örtlichen freien Kulturzentrum statt, der Galerie Weinert. Hier hatte man schon hinreichend Erfahrungen mit solchen Veranstaltungen gesammelt und auch ein gewisses „Stammpublikum“, das sich für die Thematik und Literatur interessierte. Mitveranstalter war in Hof die GEW, was insofern besonders ist, als die VVN-BdA immer noch im bayerischen Verfassungsschutzbericht vermerkt wird und damit manche Beamte möglicherweise Probleme in einer Zusammenarbeit sehen könnten. Wir präsentierten vor drei Dutzend Besuchern das Buch und lasen wie geplant einige Kapitel aus der Frankfurter Zeit, dem Widerstand in Frankreich und der weiteren Entwicklung in der Bundesrepublik. Silvia endete mit dem Appell, alles zu tun zur Verhinderung eines neuen Faschismus, was das Publikum mit dankbaren Applaus quittierte.

Unter den Besuchern waren auch „Überraschungsgäste“. Silvia traf eine langjährige Bekannte aus Hessen, die nun im beruflichen Ruhestand nach Hof gezogen war und sich sehr freute, dass wir mit der Lesung in dieser Stadt Station machten. Eine kleine „Abordnung“ aus Sachsen war ebenfalls anwesend. Vier Mitglieder der VVN-BdA Plauen, aus dem sächsischen Nachbarkreis Hofs hatten sich eingefunden. Zum Abschluss bedankte sich eine Kameradin bei Silvia mit den Worten, nach den dauernden „Stasi“- Debatten in Sachsen sei es ihr sehr wichtig gewesen, von ihr direkt zu erfahren, dass es in der BRD solche Verfolgungen gegeben habe.

Einen besonderen Eindruck hinterließ die Veranstaltung bei einem Gast, der eher zufällig teilgenommen hatte. Unsere Betreuerin hatte aus beruflichen Zusammenhängen einen Zeitzeugen nach Hof eingeladen, der in einer pädagogischen Akademie über seine Erfahrungen als Heimkind in einer Einrichtung in der DDR berichten sollte. Dieser junge Mann war auch uns gegenüber mitteilungsbedürftig und wir unterhielten uns vor der Lesung angeregt über Themen und Fragen, die ihn in den 90er Jahren bewegten, insbesondere seine Erfahrungen mit der Durchsetzung von Interessen bundesdeutscher Energiekonzerne in seiner Lausitzer Heimat. Er verband diese Eindrücke mit Bewertungen der politischen Landschaft, die sehr stark aus einer Abgrenzung gegenüber der ehemaligen DDR geprägt war. So monierte er, dass 75 % der sächsischen Politik aus der ehemaligen politischen Klasse der DDR stammten, weshalb sie solch bürgerfeindliche Politik betreiben würden. Für ihn wurde der Abend ein grundlegend neue Erfahrung, als er am Ende der Lesung erfahren musst, dass die „freieste aller Republiken“, für die er selber eingetreten ist, verdiente Antifaschisten zu „Staatenlose“ machte, einer Lehrerin Berufsverbot erteilte und andere „bittere Erfahrungen“ machen ließ. Er verabschiedet sich mit den Worten: „Ich habe heute viel nachzudenken.“ Was kann man mit einer Lesung mehr erreichen?

Die Lesung in Regensburg

Die Abfahrt nach Regensburg machte unvermittelt deutlich, welch zentraler Ort Hof eigentlich ist. Fast zeitgleich fuhren Züge nach Würzburg, nach Nürnberg, nach Dresden, in die tschechische Republik und nach Regensburg, wo unsere nächste Station sein sollte. Die Zugfahrt führte uns an einigen Orten vorbei, bei denen ich durchaus an vergangene soziale Kämpfe erinnert wurde. Wir passierten Schwandorf, wo Anfang der 80er Jahre massive Auseinandersetzung um die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf stattfanden. Als nächster Halt errichten wir Maxhütte, ein Ort der sich für mich mit dem Kampf um ein Stahlwerk „Maxhütte muss bleiben“ verband. Von außen verfolgte ich damals den Kampf der Belegschaft und der Gewerkschaften, nun sah ich, in welcher Gegend dieses Stahlwerk lag und welch existenzielle Notwendigkeit der Kampf um jeden Arbeitsplatz darstellte.

Wie üblich mit einigen Minuten Verspätung erreichten wir den Zielbahnhof Regensburg. Dort wurden wir von Luise abgeholt, die sich seit vielen Jahren in dieser Stadt für die VVN-Arbeit engagiert. Sie fuhr mit uns direkt zu sich nach Hause, wo wir zum Mittagessen eingeladen waren. Nach einer „gefühlten halben Weltreise“ kamen wir in Lappersdorf, einem Nachbarort am nördlichen Stadtrand von Regensburg an, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Willi lebt. Der – ein gelernter Koch – hatte ein phantastisches Mittagessen zubereitet, das uns für alle Mühen der Zugreise entschädigte. Und als wir bereits satt und zufrieden waren, tischte er auch noch ein selbstgemachtes Tiramisu auf, so dass dieses Mahl wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Während des Essens erfuhren wir aber gleichzeitig viel über die Wirklichkeit von Beschäftigten in der Gastronomie. Willi hatte viele Jahre im Service gearbeitet und berichtete, wie übel den Kellnern oder Servicekräften in machen Nobelrestaurants mitgespielt wurde, aber auch, wie sich Kellner gegen solche Ausbeutung wehrten.

Da die Rezeption unseres Hotel erst um 16.00 Uhr öffnete, fuhr Luise uns nach dem Essen wieder in die Stadt. Als wir auf die Hauptstraße fuhren, konnten wir auf der anderen Donauseite bereits den Dom sehen und da wurde mir klar, dass wir quasi um ganz Regensburg herum gefahren waren, um nach Lappersdorf zu kommen. Durch die Sperrung einer Donaubrücke wurde der gesamte Straßenverkehr über die neue Brücke umgeleitet, was besonders viel Verkehr produziert.

Unser Hotel lag mitten in der Altstadt und in Laufnähe des Hauptbahnhofs, so dass wir am Nachmittag noch auf eigene Faust durch die Stadt gehen konnten. Leider war das Wetter recht schlecht, es nieselte leicht, dass es nur wenig Spaß machte, durch die Straßen zu streifen. Dennoch reichte es für einen ersten Eindruck einer wunderbar erhaltenen Altstadt mit verwinkelten Gassen und vielen sehr ordentlich rekonstruierten alten Gebäuden. Für einen Bewohner Kassels, der in seiner Stadt nur vereinzelte Beispiel von historischer Bausubstanz kennt, ist Regensburg ein wirkliches Ensemble alter Wohn- und Lebenskultur, mit einer technischen Meisterleistung – der Steinernen Brücke über die Donau – in ihrem Zentrum. Zurecht ist diese Stadt in das Weltkulturerbe aufgenommen worden. Auffällig ist, dass die Sünden des Städtebaus der 50er und 60er Jahre, die auf den Abriss von alter Bausubstanz hinausliefen und den Umbau der Städte für den Autoverkehr versuchten, in Regensburg nicht solche Verheerungen angerichtet hatten, wie in vielen anderen Orten. Das hatte sicherlich auch damit zu tun, dass die kriegsbedingten Zerstörungen der Stadt sich tatsächlich in Grenzen gehalten hat.

Was die kriegsbedingten Folgen in Regensburg betrifft, so trafen wir natürlich auch auf die Erinnerungsstätten für die beiden Regensburger, den Domprediger und einen Lagerarbeiter, die am 23. April 1945 versucht hatten, als Sprecher einer Demonstration Regensburger Einwohner eine kampflose Übergabe der Stadt an die heranrückenden amerikanischen Truppen zu erreichen. Die beiden wurden durch die Gestapo verhaftet und wegen „Feigheit vor dem Feind“ durch ein Standgericht zum Tode verurteilt und in der Nacht zum 24. April öffentlich erhängt. Bezeichnend war, dass der Bischof von Regensburg, der über viele Jahre hinweg dem faschistischen Regime treu ergeben war, in dieser Situation keinerlei Anstalten machte, sich für die Rettung dieser beiden Bürger einzusetzen. Vor diesem Hintergrund ist es schon ambivalent, wenn im Dom von Regensburg ein Buch ausliegt, in dem Gläubige mit ihrer Unterschrift sich für die Seligsprechung des Dompredigers einsetzen sollten. Solch ein Engagement zur rechten Zeit hätte nicht nur das Leben dieser beiden retten können, sondern durch die Verkürzung der faschistischen Herrschaft Tausenden geholfen zu überleben.

Unsere Lesung fand in einem Nebenraum einer Regensburger Traditionskneipe statt. Auch hier war die GEW Mitveranstalter der Lesung, wobei dies eher ein politisches Signal war, weniger die Voraussetzung für einen Massenbesuch. Denn insgesamt kamen etwa 20 Zuhörer an diesem Abend zusammen. Erfreulich war dabei, dass diesmal die Hälfte der Besucher deutlich unter 25 Jahren waren, also eine Zielgruppe, die Peter Gingold selber als sein wichtigstes Publikum angesehen hat. Den zukünftigen Generationen die Erfahrungen des Kampfes weiterzugeben, das war sein zentrales Anliegen.

Wir hatten schon in Hof das Lesungskonzept etwas angepasst und insbesondere den Bericht über die Enttarnung des Spitzels aufgenommen. Dies schien uns spannender zu sein, als die Schilderung der Erfahrungen in der Gestapo-Haft. Und tatsächlich haben wir auch diesmal erlebt, dass die jungen Leute bei dieser Szene mit besonderer Aufmerksamkeit zuhörten. Aus Zeitgründen trugen wir aus den Berichten über die Nachkriegszeit nur drei Texte vor, der Umgang der Nachbarn mit ehemaligen Verfolgten und Antifaschisten, die Ausbürgerung und damit Entrechtung der Familie Gingold und das Berufsverbot für Silvia und die damit verbundene Auseinandersetzung. Und es war das Thema der Berufsverbote, dass am Ende der Lesung zu mehreren Nachfragen führte. Während ältere Zuhörer aus eigenem Erleben darauf hinweisen konnten, dass die Berufsverbote-Politik nicht nur Silvia betraf, sondern viele andere aus ihrem Bekanntenkreis davon betroffen wurden, erschreckte es die jungen Zuhörer zu erfahren, dass nicht nur Lehrer, sondern auch Postbeamte und Lokführer davon betroffen waren und dass neben den tatsächlichen Berufsverbotsopfern noch 100.000 junge Menschen durch Anhörungen, Bespitzelungen und anderen Formen der Einschüchterung betroffen waren. Dieses Interesse für die Berufsverbote-Thematik war für uns auffällig, es scheint jedoch für Bayern auch deshalb von großer Bedeutung zu sein, weil die Landesregierung – mit Rückendeckung der schwarz-gelben Bundesregierung und ihrem „Kampf gegen Linksextremismus“ – durch „Verpflichtungserklärungen“ für öffentliche Bedienstete, die bereits in der Privatwirtschaft adaptiert wurde, und Denunziationen im Verfassungsschutzbericht in zunehmendem Maße für ein Klima der Einschüchterung und der Ausgrenzung sorgt. So ist das Thema „Berufsverbote“, selbst wenn öffentlich noch nicht davon gesprochen wird, für junge Leute allgegenwärtig. Sie erleben am eigenen Leib, wie politischer Druck funktioniert und das in einer gesellschaftlichen Situation, in der der solidarische Zusammenhalt, die Bereitschaft zur Organisation durch eine Tendenz zur Individualisierung nachhaltig gestört worden ist. Vielleicht kann ja der Rückbezug auf Peters Erinnerungen, der als eine seiner Botschaften die Notwenigkeit der Organisation im politischen Handeln betonte, helfen, hier eigene Orientierungen zu finden. In einer Nachbetrachtung auf den Abend waren Silvia und ich jedenfalls einhellig der Meinung, dass es eine gelungene Lesung war, die tatsächlich die jungen Menschen erreicht hat. Was kann man mehr von solch einer Veranstaltung erwarten?

Eine kleine Episode blieb noch in Erinnerung: Nach der Veranstaltung kam die Kellnerin zu uns und bat, einen Blick auf das Buch werfen zu dürfen. Sie habe beim Servieren mit halben Ohr zugehört und es sei so interessant gewesen, dass sie doch mal wissen wollte, um was es in dem Buch denn gegangen sei. Silvia erklärte es ihr gerne.

Der kommende Tag meinte es gut mit uns. Zwar war es am Vormittag ziemlich kalt, aber es bliebt trocken, und als kurzzeitig die Sonne zwischen den Wolken hervorkam, wurde es sogar angenehm, so dass man gut durch die Altstadt schlendern konnte. Und da sah ich auch die „zweite Einnahmequelle“ der Stadt Regensburg, den Tourismus. Allein in der kurzen Zeit von 10.00 bis 11.30 Uhr begegneten mir etwa 10 Besuchergruppen, die durch die Altstadt geführt wurden. Da die offiziellen Stadtführer mittlerweile mit Head-Set ausgestattet sind, stören diese Gruppen nicht mehr so sehr, indem sie Haufen bilden. Der Nachteil ist jedoch, dass man auch nicht mehr mit „halbem Ohr“ den Erläuterungen zuhören kann, ohne sich an der gesamten Führung beteiligen zu müssen. So musste ich halt mit Aufmerksamkeit die verschiedenen Schilder und Gedenktafeln suchen, um etwas über den jeweiligen historischen Hintergrund zu erfahren.

Lesung in Freising

Am Donnerstag machten wir uns nach der Mittagspause zu unserer vierten Station auf, nach Freising. Bevor wir eine Fahrkarte lösen konnten, sprach uns eine Studentin an, die ein Bayern-Ticket hatte, auf dem noch vier Personen mitreisen konnten, ob wir mitreisen wollten. Ich sagte zu und wir bezahlten ihr unseren Anteil und machten uns mit drei uns völlig unbekannten Personen auf den Weg Richtung München. Ich bemerkte, dass nicht nur diese Studentin auf solche Weise das Ticket ökonomisch einsetzte, sondern auch andere „Zufallsgruppen“ sich am Bahnhof fanden. Angesichts der sonst üblichen Ticketpreise der Bahn ein durchaus sinnvolles Prinzip, wenn man denn den Regionalverkehr nutzen muss.

Wegen Bauarbeiten auf der Strecke kamen wir mit deutlicher Verspätung in Freising an, was aber unseren Gastgeber, Guido, nicht überraschte, da er regelmäßig diese Verbindung nutzen muss und solche Verspätungen gewohnt war. Zu Fuß machten wir uns bei gutem Wetter auf den Weg in die Innenstadt – und in der Tat waren es knapp 15 Minuten, bis wir die Hauptverkehrsstraße und unser Hotel erreichten. Auch wenn dieser Ort nicht wirklich groß erschien, so nahmen wir das Angebot einer kurzen Stadtführung gerne an. Zuerst führte uns Guido auf den Domberg. Der Dom ist der zweite Sitz des Bischofs von München und Freising. Folgerichtig ist es ein Prunkbau erster Güte. Auch wenn die Kirche vom Äußeren her keine architektonische Besonderheit darstellte, so war ihre barocke Innengestaltung völlig erschlagend. Den Hochaltar zierte ein Monumentalgemälde von Peter Paul Rubens. Nur diesmal waren die Frauenfiguren bekleideter als in vielen anderen seiner Gemälde. Die gesamte Kirche war mit Szenen aus dem Leben des heiligen Corbinians ausgestaltet. Ich weiß auch nicht, warum ich dabei immer an ein Kinderbuch denken musste, wo ein Ochse den Namen Corbinian trug. Welchen volkspädagogischen Charakter die Ausgestaltung der Kirche hatte, zeigte unter anderen eine Marienfigur, die als „mater dolorosa“ mit einer Speer, der ihr Herz durchbohrt, dargestellt wurde. Zu ihren Füßen befand sich ein Totenschädel, aus dessen toten Augen sich Gewürm schlängelte. Dass in dieser Kirche noch an anderer Stelle recht drastische Darstellungen zu finden waren, zeigte uns Guido in der Krypta. Eine Säule, die den Kampf des Guten mit den Drachen zeigte, war ebenfalls dort zu besichtigen. Interessanterweise ist in der Darstellung – anders als bei vielen Figuren des Heiligen Georg – nicht erkennbar, wer diesen Kampf gewinnt. Verschiedene Kunsthistoriker haben sich schon an dieser Säule abgearbeitete, jedoch mit wenig überzeugenden Ergebnissen. Nach so viel Mystischem wurden wir beim Verlassen der Kirche direkt mit der brutalen Wirklichkeit konfrontiert. Von diesem Hügel hatte man einen unverbauten Blick in das Erdinger Moos – heute besser bekannt als Großflughafen „Franz-Joseph-Strauß“. In einer Frequenz, die durchaus Ähnlichkeiten mit Frankfurt hat, konnte man die Starts und Landungen nicht nur sehen, sondern bei entsprechender Windrichtung auch deutlich hören. Und so leuchteten mir die Plakate, die wir auf dem Weg durch die Stadt gesehen hatten, sofort ein: „Keine 3. Startbahn“. Besonders zynisch nahm sich die Begründung der politisch Verantwortlichen für den Bau des Flughafens in dieser Region aus: Man habe München – Riem nicht ausbauen können, da der Flughafen zu nahe am Stadtgebiet läge. Von Freising zum neuen Großflughafen war es aber ebenfalls nur ein „Steinwurf“, aber das war für die Bayerische Landesregierung weniger bedeutend. Obwohl dieser kleine Ort, der – wie wir dann erfuhren – fast 50.000 Einwohner hat, eher katholisch und konservativ dominiert ist, fanden wir an mehreren Stellen Erinnerungszeichen an die faschistische Verfolgung. Getragen von einer Bürgerinitiative, in der die VVN-BdA aktiv mitwirkt, waren an verschiedenen Stellen „Stolpersteine“ verlegt worden. Auch konnte erst kürzlich eine Straße nach einem Antifaschisten benannt werden – auch wenn das nur durch einem Deal mit der CSU möglich wurde. Selbst das obligatorische Denkmal für alle Kriegsopfer, was in vielen Kleinstädten eher den Charakter eines Kriegerdenkmals besitzt, war mit einer relativ neuen Aufschrift versehen, die von der Verpflichtung der Nachgeborenen zum Frieden sprach. Was kann man von einer CSU-Gemeinde mehr erwarten?

Zum Abschluss des Rundgangs kamen wir nach Weihenstephan, einem Ortsteil, der nicht allein wegen der Brauerei und der Molkerei weit über Bayerns Grenzen berühmt ist. Doch hier ist jedes Bild einer Idylle fehl am Platz. Nachdem der Müller-Konzern kürzlich die Molkerei übernommen hatte, wurde als erstes die Joghurtproduktion geschlossen, wobei auch heute noch Produkte unter diesem Namen angeboten werden. Wen interessiert es schon, dass diese Becher in der Großabfüllanlage von Müller-Milch produziert werden, wenn denn die Illusion besteht, man bekomme die „gute Milch aus Weihenstephan“.

Am Abend gingen wir zur geplanten Lesung in das Lokal „EtCetera“, offenbar eine Szenelokal für junge Leute in der Stadt. Obwohl Guido vorher skeptisch war und uns schonend darauf vorbereiten wollt, dass man nie sagen könne, wie viele Leute kämen, saßen mit Beginn der Lesung sechzehn Interessenten zusammen, wobei die Altersgruppe der etwa 50 jährigen dominierte. Wie das in einer solchen Kleinstadt üblich ist, kannte man sich aus den verschiedensten Zusammenhängen. Einige VVN – Mitglieder, Mitglieder der Linken und der Grünen, Vertreter der Gewerkschaften und der Bürgerinitiative „Freising ist bunt“. Manche von ihnen hatten Peter Gingold noch persönlich getroffen. Nach der Lesung berichtete ein Zuhörer noch davon, wie sehr ihn Peters Auftreten beim UZ – Pressefest während einer Veranstaltung im überfüllten Zelt der Sozialistischen Arbeiterjugend beeindruckt habe.

Lag es am Saal oder nur an der Zusammensetzung des Publikums? Irgendwie war ich am Anfang etwas unsicher, ob es uns hier gelingen würde, die Aufmerksamkeit für den Text zu finden, wie in den vergangenen Lesungen. Silvia formulierte später ihren Eindruck, dass sie sich hier wohler gefühlt habe als in früheren Lesungen, da sie hier „auf Augenhöhe“ mit den Zuhörern gewesen sei. Und sie hatte sicherlich recht, denn die Lesung lief ganz phantastisch. Es gab die gleiche gespannte Aufmerksamkeit wie in anderen Orten. Die Zuhörer gingen genauso emotional mit an den Stellen, bei denen man entspannt lachen kann, wie an den Textstellen, die eine tiefe Betroffenheit zurücklassen. Am Schluss der Lesung gab es diesmal eine längere Aussprache mit dem Publikum, die sich sowohl um das Berufsverbot für Silvia und die Fortsetzung ihrer Berufstätigkeit drehten, als auch die persönlichen Bezüge zu Peter Gingold nachzeichneten. Eine Zuhörerin formulierte ihren Eindruck von der Lesung verbunden mit ihren Erinnerungen an Peter Gingold in den Worten: Peter Gingold sei auch für diejenigen, die nicht Kommunisten waren, so überzeugend gewesen, da er – trotz aller schweren und schlimmen Erfahrungen nicht „verbiestert“ aufgetreten sei, sondern für seine politische Überzeugung „geglüht“ habe. Er habe durch Optimismus und positive Aussagen überzeugt und nicht durch Vorwürfe oder Kritik an den vorgefundenen politischen und gesellschaftlichen Zuständen. Dieses Gefühl haben wir auch versucht mit der Auswahl der Texte den Zuhörern nahe zu bringen. Wie erfolgreich unser Bemühen war, zeigte sich auch daran, dass wir an diesem Abend allein neun Bücher verkaufen konnten.

Nach dem offiziellen Ende der Lesung saßen wir noch mit mehreren Gästen in der Kneipe zusammen. Nun ging es nicht allein um Peter Gingold, sondern um tagespolitische Auseinandersetzungen in den verschiedenen politischen Strukturen, in denen die Gäste engagiert waren, wie die Debatten um das Strukturmodell des DGB mit dem Rückzug aus der Fläche, die Auseinandersetzung um die „dritte Startbahn“, den Bayerischen Verfassungsschutzbericht und die Folgen für die antifaschistische Arbeit sowie Diskussionen in verschiedenen linken Gruppen, die auch in Freising für „Wellen“ sorgten. Als wir gegen halb zwölf das Lokal verließen, gingen wir mit einem guten Gefühl in unsere Unterkunft. Wir hatten scheinbar einen Querschnitt des linken Freisings an diesem Abend bei uns zu Gast und konnten sie für unser Anliegen einnehmen.

Anders als ursprünglich geplant, machten wir uns am folgenden Tag schon zwei Stunden früher auf den Weg nach Würzburg, unterbrachen unsere Fahrt aber für einen kurzen Aufenthalt in München. Und tatsächlich schafften wir in dieser Zeit eine Tour durch das historische, das touristische, das gastronomische und das politische München. Dazu reichte uns ein Gang vom Hauptbahnhof über Stachus, Karlstor, Fußgängerzone, Marienplatz und Rathaus bis zum Viktualienmarkt und zurück. Muss man mehr von München gesehen haben?

Die Lesung in Würzburg

Mit der schon üblichen Verspätung trafen wir in Würzburg, unserer letzten Station der Lesereise, ein. Auch dies ein Bischofssitz mit langer Geschichte und zahlreichen Kirchen und Repräsentationsbauten. Durch die Zerstörungen im Krieg fehlt hier ein geschlossenes Ensemble. Vielmehr sah man neben rekonstruierten historischen Gebäuden die verschiedenen architektonischen Bausünden, wie sie in zahlreichen deutschen Städten anzutreffen sind. Wir wurden wieder von einem Kameraden der Kreisorganisation abgeholt, der uns aber diesmal weniger die „Schönheiten“ der Stadt zeigte. Da Silvia und ich bereits Würzburg kannten und es trotz Sonne recht kalt war, verzichteten wir auf die übliche Stadtführung. Im Café sitzend debattierten wir über die politische Situation und ließen uns die regionalen Besonderheiten erläutern. Da unser Gesprächspartner im Stadtparlament saß, erhielten wir recht detaillierte Informationen. Es wurde deutlich, dass es für Antifaschisten in einer solch katholisch geprägten Stadt sehr widersprüchliche Erfahrungen gibt, einschließlich der örtlichen Bündnispolitik, wenn es beispielsweise um die Durchsetzung von Stolpersteinen geht. Auf unserem Weg durch die Stadt zeigte Holger mir auch den Gedenkraum der Stadt zur Erinnerung an das Bombardement vom Februar 1945, dem etwa 90% der Innenstadt zum Opfer fiel. Erfreulich war zu sehen, dass in den zweisprachigen Ausstellungstafeln tatsächlich auch Ursache – faschistische Herrschaft und Kriegspolitik – und Wirkung – Bombardement mit den Folgen für die Zivilbevölkerung – in einen richtigen Zusammenhang gestellt worden sind. Ein Flyer wies auf eine Tagung hin, auf der es insbesondere um das Erinnern und die richtige Form des Gedenken in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit gehen sollte. Ein dankbares Thema für die geschichtspolitische Arbeit, dem sich auch die örtliche VVN stellen müsste. Leider stößt die Organisation dabei – aus unterschiedlichen Gründen – an die Grenzen ihrer personellen und kräftemäßigen Möglichkeiten. Aber einen Stolperstein für einen kommunistischen Widerstandskämpfer aus Würzburg hatte sie durchsetzen können.

Die abendliche Lesung fand in den Räumlichkeiten einer örtlichen Buchhandlung statt, die auch schon für andere linke Themen die Räumlichkeiten gestellt hatte. Und so waren neben VVN- Mitgliedern auch Kunden aus der Buchhandlung anwesend, die ein eher literarisches Interesse an dem Buch mitbrachten, wobei insgesamt die Teilnehmerzahl unter dem Freitagstermin litt. Silvia und ich ließen sich davon nicht beirren. Wir präsentierten die Textauswahl, wie wir sie erfolgreich auch in den vorangegangenen Lesungen vorgestellt hatten. Und in der Tat kam diese Auswahl gut an. Eine Zuhörerin hatte das Buch schon aufmerksam gelesen und sie ergänzte zum Abschluss, dass ihr eine andere Episode aus dem Buch besonders intensiv in Erinnerung geblieben sei, nämlich die Tatsache, dass die Anwesenheit der jüdischen Familie in Meriel für die französischen Dorfbewohner ein offenes Geheimnis gewesen sei – und dennoch sich niemand als Denunziant betätigt habe. Daran schloss sich eine kurze Fragerunde über Widerstand und Kollaboration an, in der weniger über Peter Gingold gesprochen wurde als über allgemeine historische Zusammenhänge. Insgesamt dauerte diese Veranstaltung knapp zwei Stunden – länger als manch andere Lesung zuvor. Trotz der etwas distanzierteren Haltung zum Buch waren Silvia und ich durchaus zufrieden, ebenso wie der Buchhändler, der verblüfft war, dass gut die Hälfte der für die Lesung bestellten Bücher verkauft wurde. Er habe schon Lesungen mit weit mehr Zuhörern gehabt, bei denen der Buchumsatz deutlich geringer ausgefallen sei, kommentierte er zum Abschluss.

Ein kurzes Resümee

Für uns war mit dieser Lesung unsere Rundreise durch Bayern beendet. Am Samstagmorgen machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Kassel. Es war sicherlich eine anstrengende Reise, aber auch eine interessante Erfahrung, in welch vielfältiger Form das Buch von Peter Gingold Menschen unterschiedlicher Überzeugung und verschiedener Generationen zusammengebrachte. Jede Lesung war in ihrer Art und Zusammensetzung einzigartig, aber es immer wieder erstaunlich und beeindruckend zugleich, mit welcher Aufmerksamkeit und Intensität die autobiographischen Aufzeichnungen von Peter aufgenommen wurden. Das macht Mut, in seinem Sinne weiterzuarbeiten. Peters Bericht ist also nicht nur ein Mutmacher für die Zuhörer, sondern auch für uns als Akteure. Dabei freuten wir uns insbesondere über alle jungen Gäste, die diese Lesungen besuchten. Insbesondere für sie hat Peter geschrieben – und wenn wir sie erreichen, setzen wir in gewissem Maße seine Arbeit fort.

Ob es nach diesen Erfahrungen bei der Rundtour durch Bayern noch einmal zu einer weiteren Lesereise kommt, steht noch nicht fest. Lesungen in verschiedenen Städten werden wir jedoch noch einige machen.

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten