Schändung der KZ-Gedenkstätte Dachau: Schlag ins Gesicht für alle, die aus der Geschichte gelernt haben

4. November 2014

Angriffe auf jüdische Friedhöfe und Gedenkorte wie auch Hakenkreuzschmierereien zeigen, dass faschistisches Gedankengut nach wie vor präsent ist.
Mit der Schändung der KZ-Gedenkstätte Dachau durch den Diebstahl der Lagertür ist ein neuer, schockierender Höhepunkt erreicht.

Die Tür trug die zynische Aufschrift „Arbeit macht frei“, mit der die SS-Schergen ihre Opfer verhöhnten. Der Diebstahl dieser Tür ist ein Schlag ins Gesicht für alle Überlebenden des Naziterrors und alle, die aus der Geschichte gelernt haben. Es zeigt sich, wie notwendig es bleibt, an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern, der Opfer zu gedenken und sich zugleich allen aktuellen neonazistischen Tendenzen entgegenzustellen.

Die VVN-BdA Bayern, in der NS-Überlebende, deren Nachfahren und junge Antifaschisten zusammengeschlossen sind, erwartet von der Polizei, dass nach den Gedenkstätten-Schändern intensiv und umfassend gefahndet wird und die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

Im Folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung der Gedenkstätte Dachau:

In der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 sind unbekannte Täter in das umzäunte und bewachte Gelände der Gedenkstätte eingedrungen und haben das historische Lagertor des Konzentrationslagers Dachau gestohlen. Der oder die Täter mussten dazu ein Flügeltor übersteigen, um auf das Gelände zu gelangen. Es handelt sich um den ersten und schwersten Angriff auf den historischen Gebäudebestand in der Geschichte der Gedenkstätte. Ziel der Schändung ist das im „Jourhaus“ befindliche Lagertor: das zentrale Symbol des Leidensweges der Häftlinge des Konzentrationslagers. So zeigte sich der Überlebende und Vizepräsident des Internationalen Dachaukomitees, Dr. Max Mannheimer „entsetzt, dass anscheinend Nazis das Andenken an die an diesem Ort Ermordeten schänden und die Pietät dieses Ortes antasten. Ich hätte diese Qualität der Zerstörung nicht für möglich gehalten“. Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, bezeichnet diese Tat als einen „bewussten und abscheulichen Akt der Verleugnung und der Auslöschung der Erinnerung an die an diesem Ort begangenen Verbrechen. An dem Angriff auf dieses besonders symbolträchtige Relikt des Konzentrationslagers zeigt sich eine neue Dimension: hier sollte der Ort in seinem Kern zerstört werden. Und das alles geschieht nicht zufällig zu einem Zeitpunkt, in dem die Überlebenden, die ihr Vertrauen in die deutsche Geschichts- und Aufarbeitungskultur gesetzt haben, nicht mehr lange unter uns sein werden. Deutlich wird, dass wir noch lange nicht am Ende der Aufarbeitung angekommen sind, sondern dass uns gerade vor dem Hintergrund der NSU-Morde und anderen Phänomenen der Radikalisierung die Aufgabe zukommt, diese Orte der Aufklärung zu schützen und zu bewahren.“